Schleswig-Holsteinischer FVBremer FV

Symposium "Prävention im Fußball": Vierte Auflage ein voller Erfolg

07.02.2017
Verletzungen entscheiden über Sieg und Niederlage im Fußball
(Foto: Anthony Kahlfeldt / BGKH)
(Foto: Anthony Kahlfeldt / BGKH)

Sport- und Fußballinteressierte diskutieren über Präventionsprogramme in der HDI Arena Hannover

Sieg oder Niederlage im Fußball werden maßgeblich durch Verletzungen beeinflusst. Über 200 Fußballinteressierte staunten nicht schlecht, im Rahmen des bis auf den letzten Platz ausgebuchten Symposiums zur „Prävention im Fußball“, als Dr. Patrick Luig in seinem Auftaktvortrag die These aufstellt: „Verletzungsprävention ist wichtiger als Taktiktraining!“
In der Tat stehen den Mannschaften von der Bundesliga bis zur Kreisklasse Woche für Woche Spieler auf Grund von Verletzungen nicht zur Verfügung und machen so die eingeübte Taktik zunichte.
Hans-Peter Schubert, unter anderem vormaliger Trainer von Alemannia Aachen und des VfB Lübeck, unterstrich diese These in der Podiumsdiskussion nochmals: „Gerade das Fehlen von Schlüsselspielern bringt das Mannschaftsgefüge komplett durcheinander. Es geht sogar so weit, dass Spieler durch die Umstellung an Sicherheit verlieren, wenn ihr gewohnter Mitspieler nicht zur Verfügung steht“.

Auch bei Hannover 96 kennt Professor Dr. Axel Partenheimer als leitender Mannschaftsarzt diese Herausforderung. Natürlich sind Vereine auf diesem Niveau darauf vorbereitet, dass Spieler ausfallen, doch der Erfolgsdruck ist hoch und niemand ist eins zu eins ersetzbar. „Durch fehlenden Erfolg, werden angelegte Rehabilitations- und Präventionskonzepte bei einem Trainerwechsel stark beeinflusst. Spieler sollen dann schnell in den Kader zurückkehren, um den Mannschaftserfolg zu sichern“, so Partenheimer.
Jedoch gibt es auch Systeme, die Trainer in die Lage versetzen, früher zu erkennen, wenn ein Spieler nicht im Vollbesitz seiner physischen Kräfte ist. „Verletzungen sind nicht immer Pech, viele Verletzungen sind auf individuelle Belastungen des Athleten zurückzuführen!“, so Professor Dr. Rainer Knöller. Er vertritt die Auffassung, dass es gerade bei Mannschaftssportarten besonders sinnvoll erscheint, die individuelle Tagesverfassung mit einem Athleten-Monitoring abzufragen. Dies kostet sehr wenig Geld und kann in jedem Leistungsumfeld umgesetzt werden. Die so ermöglichte individuelle Belastungssteuerung verhindert Verletzungen und hilft nachhaltig bei der Trainings- und Regenerationssteuerung.

NFV-Präsident Eugen Gehlenborg während der Podiumsdiskussion im Gespräch mit Dr. Hubert Erhardt (BGKH) und Maureen Podiwin (VBG) / Foto: NFV


Aber sind wir nicht eigentlich sehr erfolgreich? Wir sind Weltmeister und haben erfolgreiche Bundesligisten. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass in den entscheidenden Spielen zum Saisonende oder bei den internationalen Wettbewerben den deutschen Teams oft die Puste auf der Zielgeraden ausgeht, weil Schlüsselspieler trotz vielfältiger Trainingssteuerungsmodelle nicht zur Verfügung stehen. Obwohl es vielfältige Methoden und Präventionsprogramme gibt, scheint es in der Bundesliga mehr Verletzungen zu geben, dies analysiert zumindest Dr. Helge Riepenhof, Mannschaftsarzt des AS Rom: „Statistisch steht die Bundesliga im internationalen Vergleich, in Bezug auf die Verletzungshäufigkeit, an der Spitze!“ Riepenhof führt dies zurück auf eine im internationalen Vergleich zu geringe Anzahl von hauptamtlichen und interdisziplinär arbeitenden Strukturen in den Bereichen der Trainingswissenschaft, Therapie und Medizin und macht hier das größte Defizit aus.

Top Personal im Verein ist sicher ein Schlüssel zum Erfolg, beschreibt auch Michél Mazingu-Dinzey. Als ehemaliger Bundesligaspieler habe er immer versucht, auch andere Wege zu gehen und arbeitete in seiner aktiven Zeit viele Jahre zusätzlich mit einem Personal-Coach zusammen, um individuell an seiner Fitness zu arbeiten.

Die Bedeutung und der Nutzen von qualifizierten und sportartbezogenen Präventionsprogrammen, dies wurde insgesamt deutlich, sind daher die zentrale Investition in die Fitness der Sportlerinnen und Sportler und insbesondere auch in die Zukunft und den Erfolg der Vereine. Denn nur der Verein, der alle Leistungsträger zur Verfügung hat, wird eine erfolgreiche Saison bestreiten.

Leicht umsetzbare und in die Trainingseinheiten gut integrierbare Übungen sind im Internet auf der Webseite der Verwaltungsberufsgenossenschaft für jeden kostenlos zu bekommen. Dazu geben Sie auf der Website der VBG in die Suche einfach den Suchbegriff "Trainingsübungen" ein.

Der Norddeutsche Fußball-Verband e.V. (NFV), das BG Klinikum Hamburg (BGKH) und die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) als Veranstalter des Symposiums, haben auf der Grundlage der langjährigen Zusammenarbeit für die Regionalliga Nord auch den NFV-Zukunftspreis aufgelegt, um an der Basis weitere Anreize für nachhaltige Prävention zu schaffen. Ein weiterer Schritt, dennoch gäbe es noch viele Hürden zu nehmen. Dies verdeutlichten insbesondere NFV-Präsident Eugen Gehlenborg, Dr. Hubert Erhard (Geschäftsführer des BGKH) und Maureen Podiwin (Leiterin der VBG Bezirksverwaltung Bielefeld) im Begrüßungstalk deutlich.

Das nächste Symposium ist für Januar / Februar 2018 geplant.

(Text: Anthony Kahlfeldt / BGKH)