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Karibu sana in Tansania

Schiedsrichterausbildung auf Swahili

(Foto: privat)

Günther Thielking ist Schiedsrichterreferent des Niedersächsischen Fußballverbandes, Schiedsrichterbeobachter im Norddeutschen Fußball-Verband und Schiedsrichter aus Leidenschaft. Diese Leidenschaft und sein Wissen über die Schiedsrichterei gibt er gerne weiter. An Jungschiedsrichter um die Ecke oder aber an zukünftige Kollegen in weiter Ferne. Vergangene Ausbildungs-Reisen führten den 71-jährigen aus dem niedersächsischen Hagen bei Bremerhaven nach Südafrika, Singapur, Borneo oder Sibirien. Über alle diese Reisen weiß er eine Vielzahl an Geschichten zu erzählen; Spannendes, Skurriles, Lustiges und auch manche Story, die zum Nachdenken anregt.

Seine letzte Tour führte Thielking Anfang Oktober, einem Auftrag des LandesSportBundes Niedersachsens folgend, im Rahmen einer Bildungsmaßnahme nach Ostafrika. Gemeinsam mit den beiden Trainerinnen Conni Hillenbrand (NFV-Kreis Stade) und Laura Jungblut Torhüterin und Trainerin des Frauen-Regionalliga Teams VfL Jesteburg, arbeitete er für zwei Wochen in Bariadi/Tansania, einer Stadt mit 35.000 Einwohnern und leitete zwei Workshops, um junge Afrikaner fit für Trainer- und Schiedsrichtereinsätze zu machen.
Vierte im Bunde war Kim-Jasmin Meineke. Die Unparteiische aus Bremen war ebenso in die Schulung und Ausbildung der tansanischen Schiedsrichter eingebunden wie Günther Thielking. Die SR-Assistentin in der Flyeralarm Frauen-Bundesliga und Schiedsrichterin in der Frauen-Regionalliga Nord musste nicht lange überlegen, als durch den Bezirks-Schiedsrichterausschuss die Anfrage für das Projekt an sie herangetragen wurde. So brach die 25-jährige gemeinsam mit den drei anderen am 29. September zu der „vermutlich beeindruckendsten Reise meines Lebens auf.“

Nach einer ca. 36-stündigen Anreise über Frankfurt, Addis Adeba, Daressalam, mit der Propellermaschine nach Mwanza und abschließender Fahrt mit dem Landrover nach Bariadi, galt es sich erst einmal zu akklimatisieren und mit den Bedingungen vor Ort vertraut zu machen.
Aber bereits am nächsten Tag standen Seminare mit Fußballneulingen in der örtlichen Public Primary School und mit Lehrkräften aus den umliegenden Schulen auf dem Lehrgangsprogramm.
28 wissbegierige Tansanier im Alter zwischen 20 und 35 Jahren stellten sich der Herausforderung. Deren neuerworbenes Wissen soll später im Schneeballsystem an andere weitergeben werden, damit so viele Personen wie möglich am Input profitieren können.Die Basics des Trainerwissens wurden nach und nach vermittelt und bereits am zweiten Tag waren die Teilnehmer gut für den Platz vorbereitet. Also ging es raus aufs Feld und ran ans Coaching. Über verschiedene Übungen zu den Grundtaktiken ging es bis zu einfachen gruppentaktischen Trainingsformen. „Das war am Anfang zwar noch schwierig, wurde aber immer besser,“ erklärte Laura Jungblut.

Zu Beginn ihrer praktischen Arbeit war das Ausbilderteam von den Rahmenbedingungen vor Ort noch überrascht, standen den Afrikanern doch gerade mal zwei Bälle und einige wenige Leibchen für das Training zur Verfügung. Dann jedoch bewiesen alle Beteiligten reichlich Kreativität und eine gehörige Portion Begeisterung für den Fußball, sodass die Kurse schließlich erfolgreich durchgeführt werden konnten. Die fragenden Blicke der Gäste aus Deutschland beantworteten die afrikanischen Betreuer mit dem Hinweis: "Materialien für Training und Spiele gibt es hier kaum. In einigen Fußballclubs steht für sämtliche Mannschaften oft gerade mal ein richtiger Ball zur Verfügung. Dafür gibt es für unsere fußballbegeisterten Kinder reichlich Straßenfußball mit kleinen Bällen aus zerrissenen Stofflappen." Das war auch ein Umstand, den Kim-Jasmin Meineke bewegte „Die Menschen in Tansania haben nicht viel und wirken trotzdem sehr zufrieden. Die Kinder spielen auf einem "Ascheplatz" mit ihrem selbstgebastelten Ball und trotzdem wird viel gelacht und nicht darüber nachgedacht, warum man keinen "richtigen" Ball hat.“

In den Tagen vor Reiseantritt hatte Thielking, ehemaliger Rekor einer Grundschule, zusammen mit den drei anderen etliche Arbeitsblätter und Fragebögen in englischer Sprache zusammengestellt. Selbstverständlich wanderten auch zahlreiche Souvenirs und Geschenke aus Fußballdeutschland mit in die Region Simiyu, aus der die Seminarteilnehmer kamen. Für die Motivation zur Lehrarbeit war damit reichlich gesorgt, und die Teilnehmer gingen dann auch mit großem Engagement zur Sache. Probleme ergaben sich jedoch bei der Arbeit mit einigen Videosequenzen. Bei deren Analyse kamen die Referenten an ihre Grenzen, denn immer mal wieder fiel der Strom aus. Da nützte es dann auch nicht, dass Yohana Mises und Emmanuel Athanas vom „Regional Sports Office“ die neuesten technischen Geräte wie Laptop und Beamer besorgt hatten - ohne elektrische Energie ging da nichts. Zum Glück konnte Günther Thielking, der auch heute noch einen Lehrauftrag an der Universität Bremen im Fachbereich Erziehungswissenschaften hat, aufgrund seiner zahlreichen Ausbildungsaufträge im Ausland auf einige Erfahrung zurückgreifen und hatte für solche Fälle das passende Equipment in den Koffer gepackt. Mit einigen Bogen Packpapier, Kronkorken und Textmarkern ließen sich schnell Abseitssituationen und die Durchführung von Strafstößen simulieren, sodass die Lehrarbeit handlungsorientiert weitergehen konnte. In Sachen "Foulspiel" standen zudem noch einige Ausgaben der deutschen Fachpresse Pate. Deren Fotos unterstützten die theoretische Arbeit, als die Teilnehmer daraus eine Collage zusammenstellten.

Am Ende gab es für die vier Norddeutschen als Dankeschön eine Zwei-Tage-Safari mit dem Landrover durch die Serengeti. Mit eigenem Fahrer und finanzieller Unterstützung durch die Gastgeber sowie dem passenden Eigenanteil, erlebten die vier die geradezu atemberaubende Vielfalt der afrikanischen Tierwelt. „Das Land Tansania, besonders die Serengeti, sind atemberaubend schön und haben einen prägenden Eindruck hinterlassen,“ schwärmt Kim-Jasmin Meineke von den Erlebnissen jenseits des Äquators. „Noch viel mehr haben mich aber die Menschen überzeugt. Jeder hat uns mit sehr viel Respekt behandelt und wollte unseren Aufenthalt so schön wie möglich gestalten.“

Aber nicht nur der Aufenthalt in der Serengeti, für alle vier war das gesamte Abenteuer Tansania eine absolute Bereicherung und unvergessliche Erfahrung. Laura Jungblut findet dafür die passenden Worte: „Tansania mag eines der ärmsten Länder sein was das Einkommen angeht. Was jedoch die Herzlichkeit, Freundlichkeit und Lebensfreude angeht, ist es sicher eines der reichsten Länder der Welt. Was wir hier erleben durften, ist einmalig und wird für immer in unserer Erinnerung bleiben. So viele strahlende Kinderaugen wie in den letzten Tagen habe ich mein Leben lang noch nicht gesehen! Es gibt keine Worte dafür!“

Tansania

Die Republik Tansania liegt in Ostafrika am Indischen Ozean. Sie grenzt an Kenia und Uganda im Norden, Ruanda, Burundi und die Demokratische Republik Kongo im Westen und Sambia, Malawi und Mosambik im Süden. Es ist seit der Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich am 9. Dezember 1961 Mitgliedstaat des Commonwealth of Nations.
Nachdem das ehemalige Tanganjika (das Festlandgebiet mit der Insel Mafia umfassend) 1961 von der Mandatsmacht Großbritannien unabhängig geworden war, verband es sich 1964 mit Sansibar (Inseln Pemba und Unguja) zu Tansania, dessen Landesname aus Tanganjika, Sansibar sowie der Bezeichnung Azania zusammengesetzt ist. Die rund 49,3 Millionen Tansanier sprechen 125 verschiedene Sprachen, größtenteils Bantusprachen, aber auch nilotische und kuschitische Sprachen, Arabisch sowie indische Sprachen. Amtssprachen sind Swahili und Englisch. Die Hauptstadt ist Dodoma, Regierungssitz und größte Stadt ist jedoch die Küstenstadt Daressalam. (Quelle: LandesSportBund Niedersachsen)

 

(Text: NFV/privat, Fotos: privat)
 

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