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Flensburg und Havelse stehen oben

Die Lage der Liga nach dem 8. Spieltag

(Foto: hansepixx.de)

Staffel Nord:

Es ist nun rund zwei Wochen her, da passierte etwas Ungewöhnliches: Nach fünf Siegen in Folge verlor der SC Weiche Flensburg gegen den HSV II mit 1:2, blieb also erstmalig ohne Punkte. Ein großes Problem war damit aber nicht verbunden. „Wir haben heute gegen eine Mannschaft verloren, die eine Top-Leistung an den Tag gelegt hat. Das muss man dann auch mal akzeptieren“, kommentierte Thomas Seeliger die unangenehme Premiere. Der Trainer hatte zuvor angesichts einiger knapper Erfolge immer wieder die Chancenverwertung seines Teams kritisiert, und nun kam ein starker Gegner, der mit zwei Strafstößen zum Sieg traf. Für Seeliger war mit dem Ende der Serie allerdings auch ein neuer Anfang verbunden: „Es ist zugleich immer Anlass, eine neue Serie zu starten.“ Gesagt, getan: Am Wochenende gewann Weiche mit 3:1 über Holstein II und baute die Tabellenführung aus.

Für die Teutonia 05 Ottensen endete auch eine Serie: Nach fünf ungeschlagenen Duellen und drei Siegen in Folge verlor der Aufsteiger am Wochenende gleich mit 0:3 gegen den FC St. Pauli. Aber so etwas kommt eben vor, siehe Weiche Flensburg. Die Pleite dürfte jedenfalls nicht geeignet sein, die positive Stimmung beim Aufsteiger zu trüben. Sie dürfte vermutlich aber dazu dienen, einen bärenstarken Neuling daran zu erinnern, dass er selbst als nomineller Favorit an die Leistungsgrenze gehen muss, um Punkte in der ausgeglichenen Staffel zu holen.

Ein schweres Auftaktprogramm hatte Eintracht Norderstedt mit zwei Niederlagen starten lassen. In den vergangenen fünf Partien sollte aber keine weitere Pleite hinzukommen, und so grüßen die Norderstedter als guter Tabellendritter (4-1-2). Allerdings gibt es schon noch ein Problem: Drei der vergangenen vier Partien beendete die Eintracht nach einem Platzverweis in Unterzahl. Auch der 1:0-Heimsieg gegen Altona 93 wurde nach der Roten Karte gegen Kapitän Jordan Brown rund eine Stunde lang mit nur zehn Spielern verteidigt werden. Das fand Jens Martens zwar „großartig“. Aber dem Trainer wäre es sicher lieber, sein Team würde den Abpfiff zukünftig nur noch vollzählig erleben. Wer weiß, was dann noch alles drin ist…

Die SpVgg Drochtersen/Assel war zuletzt zwar spielfrei, hatte zuvor aber zwei Spiele in Folge gewonnen. Als Tabellenvierter ist sie nun wieder vollends im Soll. Mittlerweile ist auch die Trainerfrage geklärt: Nachdem sich Lars Uder zurückgezogen hatte, war Lars Jagemann eingesprungen. Er machte nun Platz für Benjamin Zielke. „Er ist meine Wunschlösung“, sagt Präsident Rigo Gooßen über den 34-Jährigen, der 13 Jahre in der 1. Herren des Vereins gestanden hatte.   

Für den Lüneburger SK lief es zuletzt etwas durchwachsen: Dem 0:4 bei Teutonia schlossen sich ein 1:1 gegen Eintracht Norderstedt sowie am Wochenende das 0:0 beim Schlusslicht Heider SV an. Unter Strich kann der LSK mit seiner Bilanz (3-3-1) aber gut leben – der Tabellenfünfte ist schließlich mittendrin im Geschehen. Und nach wie vor gilt in Lüneburg ganz besonders: Die junge Mannschaft unterliegt noch immer Schwankungen. Sie verlangt nach Geduld.

Der Aufsteiger Phönix Lübeck zeigt der Konkurrenz gerade, wie man aus einem ordentlichen Start einen richtig guten machen kann: Nach den Siegen gegen St. Pauli II (3:0) und den HSV II (1:0) hat der Tabellensechste zu den Bewerbern um die Meisterrunde aufgeschlossen. Ihn trennt gerade ein Zähler von Eintracht Norderstedt und dem dritten Rang. Es geht eben sehr eng zu im Mittelfeld der Staffel, und das lässt dem Neuling nach wie vor die Chance auf eine echte Überraschung.

Auch der FC St. Pauli II zählt derzeit zu den Bewerbern auf die Meisterrunde. Die Hamburger (4-0-4) gehören zu den vier Teams mit zwölf Punkten auf dem Konto. Dabei gelang der Elf von Joachim Philipkowski zuletzt das Kunststück, der benachbarten Teutonia die erste Niederlage beizubringen. „Über 90 Minuten ist der Sieg verdient, weil die Jungs griffig und zweikampfstark waren und unbedingt gewinnen wollten", meinte der Trainer nach dem 3:0-Auswärtssieg. Seine Mannschaft scheint damit auf einen guten Weg zu sein: In den Vorwochen hatte sich der spielerisch starke FC St. Pauli infolge individueller Fehler immer wieder um den Lohn seiner Arbeit gebracht.

Mit nur einem Punkt Rückstand folgt der Hamburger SV II auf dem achten Platz. Auch für das zweite Hamburger Nachwuchsteam ist also noch alles drin. Um in der Tabelle zu klettern, wird das Team aber die Schwankungen abstellen müssen. Denn dem starken Auftritt beim 2:1 in Flensburg folgten die Niederlagen gegen Drochtersen/Assel (0:2) und zuletzt Phönix Lübeck (0:1). Es gibt offenbar noch etwas zu tun. Nach der jüngsten Pleite bemängelte Trainer Pit Reimers die Chancenverwertung: „Im letzten Spielfelddrittel waren wir leider nicht konsequent genug und haben die Chancen, die wir herausgespielt haben nicht genutzt."

Bereits fünf Punkte trennen Holstein Kiel II vom HSV II und dem achten Tabellenplatz. Für den Nachwuchs der Störche geht es nach einem durchwachsenen Start um den Anschluss an die Konkurrenz. Fünf Niederlagen aus den vergangenen sechs Partien untermauern: Der spielerisch starke Nachwuchs bringt seine Leistung nach nicht effektiv genug auf den Platz. Denn auch beim jüngsten 1:3 in Flensburg war Holstein nicht klar unterlegen. Das macht auf der anderen Seite auch Hoffnung. „Schade, dass wir am Ende ohne Punkt dastehen, aber mit der Leistung können wir sehr zufrieden sein. Darauf können wir aufbauen“, meinte Trainer Sebastian Gunkel.   

Jetzt wird es Zeit für ein paar Punkte: Altona 93 landete bislang erst einen Sieg und findet sich deshalb auf dem vorletzten Rang der Staffel Nord wieder. Allerdings. Wirklich deutlich unterlagen die Hamburger nur selten. Viele enge Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass einiges mehr drin ist in den kommenden Wochen. Insofern dürfte sich Altona vornehmen, was für eine ganze Menge Teams in dieser Saisonphase noch immer gilt: Sie müssen den Bock umstoßen.

Hinter dem Schlusslicht Heider SV liegt ein Erfolgserlebnis: Beim 0:0 gegen den Lüneburger SK gelang nach zuvor sechs Niederlagen in Serie der erste Punktgewinn. Er vermochte die Situation in der Tabelle nicht nachhaltig zu verbessern, sorgte aber für ein bisschen mehr Zuversicht. Schließlich gilt auch für den Letzten der Staffel Nord: Es gab das ein oder andere enge Ergebnis und damit auch den Hinweis auf eine konkurrenzfähige Leistung. Deshalb ist der Zug auch für den HSV noch nicht abgefahren.

Staffel Süd:

Der TSV Havelse hat mittlerweile eine gute, nicht aber überragende Bilanz – und das liegt an den vergangenen Wochen. Nachdem er in Rehden die erste Saisonniederlage kassiert hatte (1:2), ließ der Spitzenreiter zwar ein 3:1 über den VfL Wolfsburg II folgen. Am Wochenende kam der TSV dann aber nicht über ein 1:1 gegen Hildesheim hinaus. So mancher hatte nach der Partie bereits das Gefühl, es würde sich ein bisschen Zufriedenheit breit machen. Das Team muss offenbar an seine Leistungsgrenze gehen, um die Spiele für sich zu entscheiden – was in der relativ ausgeglichenen Staffel aber auch keine Überraschung ist. Angesichts eines insgesamt sehr guten Starts besitzt der TSV Havelse jedoch nach wie vor recht gute Möglichkeiten in den kommenden Wochen.

Der SV Werder Bremen II ist so etwas wie das Team der Stunde. Schließlich reichten der Mannschaft ganze fünf Partien zum zweiten Tabellenplatz. Die Grün-Weißen sind zudem der einzige Regionalligist ohne Niederlage. „Das war ein gutes Spiel mit einer hohen Intensität von beiden Mannschaften, Kompliment an alle Jungs“, meinte Trainer Konrad Fünfstück nach dem 3:1 in Oldenburg. Dabei gelang auch die zuvor noch kritisierte Chancenverwertung recht gut. Mit einem Torverhältnis von 7:1 gelten die Bremer aber nach wie vor als Minimalisten – und das liegt wohl nicht allein an den nur fünf Saisonspielen.

Nach den Niederlagen in Oldenburg (1:4) und gegen Jeddeloh (1:2) gewann Hannover 96 II am Wochenende das kleine Niedersachsenderby beim VfL Wolfsburg II mit 2:1. „Die Jungs haben eine Top-Mentalität auf den Platz gebracht. Von der ersten Minute an waren wir präsent, laufstark, haben als Mannschaft agiert und gut und mutig verteidigt", lobte Trainer Christoph Dabrowski. Dass mit diesem Erfolg der Sprung auf den dritten Rang möglich war, unterstreicht, wie eng es in der Liga zugeht – mit einer Niederlage hätte sich 96 II auf dem sechsten Rang einsortiert. Für das Nachwuchsteam gilt also wie für alle anderen Teilnehmer der Staffel Süd: Es muss wachsam bleiben und darf nicht nachlassen.

Nach drei Spielen war der BSV SW Rehden noch sieglos gewesen. Es folgten neun Punkte aus drei Partien und der Sprung auf den vierten Rang. Das ist natürlich ein Beispiel, das allen Teams Mut machen wird: Es kann sehr schnell gehen in dieser Staffel. Andererseits vermag die starke Serie auch nicht zu überraschen. Schließlich hatte der BSV sich zuvor sehr enge Spiele geliefert. Aber das gehört ja auch dazu in einer engen Staffel: Zwischen Sieg und Niederlage entscheiden oft nur Kleinigkeiten.

Das weiß man auch beim VfB Oldenburg. Dessen Trainer Dario Fossi bestand nach einem guten Start darauf, die Ergebnisse „richtig einzuordnen“ und warb um Geduld mit seiner jungen Mannschaft. Zuletzt war diese gegen Werder II zwar nahezu ebenbürtig angetreten, hatte aber gleichwohl mit 1:3 verloren. Es fehlt eben nicht viel zum Erfolg, doch gerade deshalb ist auch der Misserfolg nicht weit.

Der SSV Jeddeloh ist nach den Siegen gegen Wolfsburg II (2:1) und bei Hannover II (2:1) wieder im Soll. Vergessen sind die Zeiten vom durchwachsenen Start. Und das liegt wohl in erster Linie an einer verbesserten Defensive. Nach fünf Spielen hatte der SSV bereits neun Gegentore kassiert, nun sind es gerade elf. Das reicht zwar noch nicht zur Spitze, eröffnet dem Tabellensechsten aber alle Möglichkeiten in den kommenden Wochen.

Der VfL Wolfsburg II dürfte das größte Rätsel der Regionalliga sein. Erst drei Siege sammelte der Topfavorit in seinen sieben Partien (3-0-4). Zuletzt verlor er gar dreimal in Folge. „Man muss sagen, das heute auch die Tagesform entscheidend war“, meinte Trainer Henning Bürger nach dem 1:2 gegen 96 II am Wochenende. Er machte zudem einen „Substanzverlust“ bei seinem Team aus – schließlich haben auch die jungen Wölfe eine englische Woche hinter sich. Die nun anstehende Pause wird der VfL nutzen, um sich wieder zu sammeln, um dann erst einmal die nötigen Punkte zu holen, die für den Anschluss an die Spitzengruppe nötig sind.

Der FC Oberneuland sammelte ebenso wie der VfL neun Punkte, dürfte damit aber sehr zufrieden sein. Dabei hatten die Bremer beim 1:0 über Atlas am Sonntag aber auch das „Quäntchen Glück“, wie Trainer Kristian Arambasic nach dem Spiel einräumte. Der Aufsteiger landete gleichwohl drei Siege aus den vergangenen vier Partien – er hat das Momentum derzeit offenbar auf seiner Seite und könnte damit für weitere Überraschungen sorgen.

Mit einem Punkt Rückstand folgt der VfV Hildesheim (2-2-3). Der Neunte landete gerade erst einen Punktgewinn beim 1:1 gegen den starken TSV Havelse und befindet sich damit noch immer in der Spur. Er stellte dabei unter Beweis, worauf es seinem Trainer Benjamin Duda derzeit ganz besonders ankommt: „Die Regionalliga-Tauglichkeit.“ Man darf also auch von diesem Aufsteiger noch einiges erwarten.

Er tat sehr gut, hatte aber noch keine sichtbaren Folgen: Nachdem dem HSC Hannover beim 2:0 in Delmenhorst der erste Saisonsieg gelungen war, folgte am Wochenende eine 1:3-Heimniederlage gegen den BSV Rehden. Dabei hatte man doch eigentlich den Schwung von der so wichtigen Premiere mitnehmen wollen. Aber der zweite Saisonerfolg ist deshalb ja nicht aufgehoben. Eine seiner Voraussetzungen sollte eine verbesserte Defensive sein: Der HSC hat bislang 16 Gegentreffer kassiert, mehr als jedes andere Team der Staffel.

Für das Schlusslicht Atlas Delmenhorst verlief die 0:1-Niederlage beim FCO wie viele andere Spiele zuvor: Der Aufsteiger lieferte ein enges Spiel, brachte aber keinen zählbaren Erfolg zustande. „Wir laufen einem Sieg hinterher, den wie längst verdient hätten“, sagt Bastian Fuhrken, der Sportliche Leiter in Delmenhorst. Immerhin: Obwohl Atlas noch immer auf den ersten Sieg wartet (0-2-5) gibt es angesichts der Leistungen keinen Zweifel an der Konkurrenzfähigkeit. Das sollte sich schon bald auszahlen.

 

(Text: Stefan Freye)

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