News

Gedränge in der Mitte

Die Lage der Liga (Staffel Nord)

(Foto: hansepixx.de)

Der Tabellenführer Holstein Kiel II (8-3-2) verteidigte seinen Platz mit einem 0:0 beim Verfolger. Es überraschte nicht, dass Sebastian Gunkel das torlose Remis bei Weiche Flensburg am Wochenende positiv einordnete. „Das war ein ganz toller Rahmen mit einer stimmungsvollen Kulisse. Zwar mussten die Zuschauer auf Tore verzichten, aber es war ein sehr lebendiges, intensives Spiel – ein echter Fight.“ Mittlerweile hat sich sein junges Team an die Bedingungen in der Regionalliga gewöhnt. Der Kieler Nachwuchs ist nun offenbar auch gerüstet, wenn es gegen einen routinierten Gegner geht – das vermochten die 90 spannenden Minuten in Flensburg zu unterstreichen. Und genau diese Ausbildungsschritte stehen im Fokus der Arbeit eines Leistungszentrum. „Für die Entwicklung unserer jungen Spieler ergibt so ein Duell einen tollen Lerneffekt“, so Gunkel.

Der SC Weiche Flensburg (8-2-2) vermochte den Abstand angesichts des 0:0 gegen Holstein II zu halten und kann mit einem Nachholspiel in der Hinterhand am Spitzenreiter vorbeiziehen. Der Tabellenzweite befindet sich also im Soll. Auch wenn Thomas Seeliger nach der Partie meinte, er hätte das Spiel „in Hinblick auf die Aufstiegsrunde“ schon gern gewonnen. Der Weiche-Coach hat also keinen ernsthaften Zweifel mehr am Einzug in die Runde der besten zehn Teams, und er weiß natürlich auch: Dann kommt es in erster Linie auf die Form an, und die stimmt nach mittlerweile drei ungeschlagenen Spielen. Schließlich hatte es Weiche am Wochenende ja nicht mit Laufkundschaft zu tun bekommen. „Kiel ist nicht ohne Grund seit zehn Spielen ungeschlagen“, so Seeliger.

Oberflächlich betrachtet kassierte Teutonia 05 Ottensen (6-6-1) beim 1:3 gegen die SpVgg Drochtersen/Assel im 13. Saisonspiel die erste Niederlage. Aber das allein war es wohl nicht. 
Bereits nach dem 2:2 gegen Phönix Lübeck, dem vierten Remis in Folge, hatte Liberio Mazzagatti ja deutliche Worte gefunden. „Es interessiert mich überhaupt nicht, ob wir weiter ungeschlagen bleiben oder nicht. Die Leistung ist maßgebend, und wie schon in den Wochen zuvor, sind wir auch nach dem heutigen Spiel unzufrieden mit unserem Auftritt“, meinte der Sportliche Leiter. Es hat derzeit den Anschein, als hätte der gute Start und die erfolgreichen Wochen im Anschluss der Teutonia etwas Konzentration gekostet. Der einstige Tabellenführer liegt nun jedenfalls drei Punkte hinter der Spitze zurück. Doch immerhin können die Hamburger wohl einigermaßen in Ruhe an der Rückkehr zur alten Form arbeiten: Der Vorsprung auf den sechsten Rang beträgt stattliche acht Punkte.

Die SpVgg Drochtersen/Assel (6-5-2) landete in Ottensen nach zwei Unentschieden mal wieder einen dreifachen Punktgewinn und blieb bereits zum siebten Mal in Folge ungeschlagen. Das Team vom Elbdeich nimmt nun klar Kurs auf die Aufstiegsrunde und verdankt diesen Umstand wohl vor allem seiner starken Defensive. Mit lediglich 17 eigenen Treffern zählt die Spielvereinigung jedenfalls nicht zu den besonders gefährlichen Mannschaften der Staffel. Das könnte seinen Grund allerdings auch in der Bilanz von Alexander Neumann haben: Der 32-Jährige ist noch ohne Treffer, auch weil er verletzungsbedingt oft fehlte oder nur kurz zum Einsatz kam. Zuvor hatte Neumann in acht Regionalliga-Jahren stolze 79 Tore erzielt.

Auf Platz fünf der Staffel Nord lauert der VfB Lübeck (5-2-5). Trotz des jüngsten 3:0 bei Altona 93 hat sich längst bewahrheitet, was sie in Lübeck bereits vor der Saison vorhergesagt hatten: Als Drittligaabsteiger ist der VfB nicht automatisch eine Spitzenmannschaft. Hinter dem Team liegt ein Umbruch, und so benötigt man auch noch etwas Zeit, ehe die Leistungen wirklich konstant sind. Der Trainer setzt sich jedenfalls für sein junges Team ein. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, der Mannschaft den Willen abzusprechen“, betont Lukas Pfeiffer. Er weiß allerdings auch: Angesichts der engen Situation im Mittelfeld der Staffel sollte der VfB nun besser verlässlich punkten – sonst gerät selbst der Einzug in die Meisterrunde in Gefahr.

Aufatmen beim Tabellensechsten: Der FC Eintracht Norderstedt (3-7-3) kann doch noch Spiele gewinnen. Nach fünf Unentschieden in Folge sicherte sich das Team beim 1:0 im „Auswärtsspiel“ gegen St. Pauli erstmals wieder drei Punkte. Und es waren sehr wichtige Zähler: Die Eintracht zog an den Kiezkickern vorbei und darf sich nur einen Punkt hinter dem Fünften VfB Lübeck berechtigte Hoffnungen auf die Meisterrunde machen. Der Lucky Punch sollte weitere positive Folgen haben. Die lange Reihe der Unentschieden war schließlich auch deshalb entstanden, weil sich die Eintracht in den entscheidenden Momenten nicht auf der Höhe gezeigt hatte. Zudem galt es, die durchwachsene Defensive abzustellen. Nach dem zweiten Spiel ohne Gegentreffer scheint ein sehr guter Anfang gemacht.

Der FC St. Pauli II (4-3-6) war stark aufgekommen, bevor er am Wochenende gegen Eintracht Norderstedt verlor. Dabei hatte das Team eine durchaus bemerkenswerte Begabung angedeutet, denn es war zur Stelle, als es die meist recht engen Spielen zu entscheiden galt. Nach vier ungeschlagenen Duellen konnte davon gegen Norderstedt allerdings keine Rede sein. „Unsere Qualitäten, die wir in den letzten Wochen immer auf den Platz bekommen haben, haben wir nicht gezeigt: Wir hätten heute auch 120 Minuten oder länger spielen können, das Norderstedter Tor hätten wir wohl nicht mehr getroffen", meinte Pauli-Coach Joachim Philipkowski. Aber sein Team ist dran an der Konkurrenz und dürfte noch immer vom Rückenwind der Aufholjagd profitieren. Mit den Hamburgern ist deshalb wohl auch in den kommenden Wochen zu rechnen.

Nun ist auch Phönix Lübeck (3-5-4) drin im Rennen um die Meisterrunde. Lediglich drei Punkte trennen den Achten noch vom fünften Platz der Staffel. Das 1:0 gegen den Heider SV am Wochenende unterstrich, dass Phönix in naher Zukunft aus dem Tabellenkeller in höhere Gefilde klettern könnte. Dabei vermochten sich die Adler in den vergangenen Wochen vor allem defensiv zu stabilisieren. Nach dem schlimmen 1:7 in Flensburg im September kassierte das Team lediglich fünf Treffer in den vergangenen vier Partien – und dabei sprangen immerhin sechs Punkte heraus.

Der Hamburger SV II (3-3-5) ist derzeit nicht zu beneiden: Hinter dem Nachwuchsteam liegen drei sieglose Spiele (1-2-0) und der eine oder andere Spielausfall. Während der HSV bislang elf Partien absolvierte, bringt es die Konkurrenz auf 12 oder gar 13 Duelle. Insofern ist es auch kein Wunder, dass die Hamburger derzeit im Tabellenkeller zuhause sind. Allerdings deutete das junge HSV-Team bereits an, dass es konkurrenzfähig ist. Insofern ist auch der Zug in Richtung der Meisterrunde noch lange nicht abgefahren. Der eine oder andere Punkt aus den kommenden Spielen dürfte helfen, das Ziel zu verwirklichen, und dann sind da ja noch die Nachholspiele. An diesem Dienstag tritt der HSV II bei Phönix Lübeck an. Mit einem Sieg würde der aktuelle Neunte am Achten vorbeiziehen – und das sagt ja auch eine ganze Menge aus über die Situation der Hamburger.

Bereits seit acht Spielen wartet der Tabellenzehnte Heider SV (2-2-9) nun auf einen dreifachen Punktgewinn. Der letzte Sieg datiert vom 1. September.  Es gab dieses Zwischenhoch mit den Remis gegen Norderstedt (2:2) und Teutonia (1:1). Aber das ist zwei Niederlagen später auch wieder in Vergessenheit geraten. Mittlerweile trennten den HSV und die Meisterrunde stattliche neun Punkte. Das dürfte zu viel sein. In Heide wird man sich nun wohl auf die eigenen Stärken konzentrieren und in aller Ruhe den Gang in die Abstiegsrunde vorbereiten. Dort wird das Team sicher nicht chancenlos sein.

Nach wie vor das Schlusslicht der Staffel ist Altona 93 (1-2-10). Gerade ein Punktgewinn gelang dem Elften in den vergangenen sechs Partien. Die Hoffnung auf eine Rettung und den Einzug in die Meisterrunde mussten die Hamburger wohl längst aufgeben – obwohl der Rückstand von zwölf Punkten auf Rang fünf zumindest noch rechnerisch alle Möglichkeiten lassen würde. Beim AFC geht es in den kommenden Wochen aber vor allem darum, die Defensive zu stabilisieren und dann mit frischem Mut in die Abstiegsrunde zu ziehen. Derzeit stellen die 35 Gegentore den absoluten Höchstwert der Staffel dar.

 


(Text: Stefan Freye)
 

Social

Folgen und mehr erfahren:
NordFV bei FacebookNordFV bei TwitterNordFV bei Instagram