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„Wichtig ist Solidarität auf allen Ebenen“

Hans-Ludwig Meyer zum Umgang mit den Corona-Folgen

(Foto: Getty Images)

Er ist nun schon sehr lange dabei: Seit 2001 zählt Hans-Ludwig Meyer zum Vorstand des Norddeutschen Fußball-Verbandes. Fünf Jahre später rückte er ins Präsidium auf, und seit 2009 war Meyer erster Vizepräsident, ehe er 2018 die Aufgabe des Vizepräsidenten Finanzen übernahm. „Ich bin eigentlich das Fossil des Präsidiums“, sagt der Kieler lächelnd. So ganz nebenbei ist Hans-Ludwig Meyer auch seit langem für den Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verband aktiv, zwischen 2007 und 2019 amtierte er als dessen Präsident. Man kann sich also vorstellen, dass dieser Mann eine ganze Menge erlebt hat, Erfahrungen sammelte in guten wie in schlechten Zeiten. „Aber das eine Aufgabe mal mit solchen Problemen behaftet seit würde, hätte ich auch nicht gedacht“, sagt Hans-Ludwig Meyer.

Klar, es geht um Corona und die Folgen der Pandemie. Seit einigen Wochen drückt sie dem täglichen Leben den Stempel auf, und auch der Fußball leidet unter den notwendigen Maßnahmen. Seit dem März rollt der Ball nicht mehr in den Regionalligen des NFV. Das macht sich natürlich in mehrfacher Hinsicht bemerkbar, auch in der Regionalliga Nord der Herren – und dort vor allem finanziell. „Das ist ein sehr vielschichtiges Thema“, sagt Hans-Ludwig Meyer. Er denkt an die Verträge mit Spielern und Mitarbeitern. Sie müssen erfüllt werden, auch wenn der Ball gar nicht rollt und keine Zuschauereinnahmen erzielt werden. Auf der anderen Seite ist längst nicht immer gesichert, dass die Partner und Sponsoren die eigenen Verpflichtungen einhalten können in diesen schwierigen Zeiten. 

Angesichts dieser Umstände ist es kein Wunder, dass die Vereine unter wirtschaftlichen Druck geraten. Es sind Ideen gefragt, und Hans Ludwig Meyer hatte eine: Die Verbandsabgaben werden erst einmal gestundet. „Das müssen wir in dieser Situation machen“, betont Meyer. Eigentlich zählt es zu den wirtschaftlichen Zulassungsvoraussetzungen, dass ein Verein die Gesamtsumme von 16.100 Euro bis zum 6. Juli eines Jahres in Form einer selbstschuldnerischen Bankbürgschaft oder mit dem Nachweis einer Überweisung auf das Verbandskonto erbringt. Für die Saison 2020/2021 – von der zum jetzigen Zeitpunkt ja auch nicht klar ist, wann sie beginnt - wird von dieser Praxis abgewichen. „In diesem Jahr werden die Bürgschaft oder der Nachweis erst vier Wochen vor dem Saisonstart fällig“, sagt Hans-Ludwig Meyer. Er weist zudem darauf hin, dass nach dem außerordentlichen Verbandstag am 25. Juni, also nachdem die laufende Saison voraussichtlich ganz offiziell beendet wurde, die Konten des NFV bereinigt werden können. Dann werden die bereits geleisteten Spielabgaben für ausgefallene Partien ebenso zurückgezahlt wie nicht benötigte Einlagen in den Schiedsrichterpool. „Ich hoffe, dass kann dem ein oder anderen Verein ebenfalls helfen“, so Meyer. 

Es ist ebenfalls kein Wunder, dass sich der Vizepräsident Finanzen besonders viele Gedanken über die wirtschaftliche Situation der Vereine macht. Hans-Ludwig Meyer hat deshalb auch einen ganz guten Überblick, wie es den Regionalligisten in den vergangenen Wochen ergangen ist. Etwa in Bezug auf staatliche Hilfen. „Es ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, aber der Sport wird insgesamt unterstützt, und das verdient ein großes Lob“, sagt der Vizepräsident. Er weiß auch, dass viele Finanzämter derzeit Steuererleichterungen anbieten. In diesem Zusammenhang ist Hans-Ludwig Meyer aber aufgefallen, wie wichtig die entsprechenden Fachleute in den Vereinen sind. Es lohnt sich aus seiner Sicht mehr denn je, die verschiedenen Bereiche der Vereinsarbeit aufzuteilen: „Die Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren entschieden verändert, also sollte man die Aufgaben eines Vorstandes auch auf mehrere Schultern verteilen.“

Beim NFV gibt es ja auch einen Experten für die Finanzen. Also richtete Hans-Ludwig Meyer seinen Blick in den vergangenen Monaten auch auf die Arbeit des Verbandes. „Unsere Liquidität ist bis zum Ende des Jahres auf jeden Fall gegeben, aber natürlich sind auch wir zum Sparen aufgerufen“, sagt Meyer. So gingen Teile der Geschäftsstelle bereits vor Wochen in Kurzarbeit, und die wenigen Veranstaltungen, die in diesen Tagen überhaupt noch durchgeführt werden können, wurden auf das Nötigste geschrumpft. Seit Beginn der Pandemie – und mit dem Start der zahlreichen Videokonferenzen – verzichten zudem alle Mitglieder des NFV-Präsidiums auf ihre pauschale Aufwandsentschädigung. „Allein dadurch sparen wir mehrere tausend Euro“, sagt Hans Ludwig Meyer.  

Er ist schon ein bisschen stolz, dass der Verband seine Aufgaben in diesen schweren Zeiten bewältigen und weiterhin für die Vereine da sein kann. „Ihre Unterstützung muss immer im Mittelpunkt stehen“, unterstreicht Hans-Ludwig Meyer. Dabei erhält der NFV keinerlei finanzielle Unterstützung, weder durch den DFB, noch von staatlicher Seite. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich über die an die Zuschauereinnahmen geknüpften Abgaben der Profivereine – und das ist etwas, das es derzeit gar nicht gibt. „Wichtig ist, dass auf allen Ebenen eine hohe Solidarität an den Tag gelegt wird, im NFV, in seinem Präsidium und in den Landesverbänden“, sagt Meyer. Und dann schließt er mit einer durchaus bekannten Redewendung. „Es ist mittlerweile ein geflügeltes Wort, aber: Wir schaffen das.“
 


(Text: Stefan Freye)

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