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„Jeder Schritt muss unter Kostengesichtspunkten gesehen werden“

Vizepräsident Hans-Ludwig Meyer zu den Finanzen des NFV

(Foto: Getty Images)

Hans-Ludwig Meyer, Sie werden am 14. Juli das 70. Lebensjahr vollenden und haben angekündigt, sich nach dem freiwilligen Rückzug als Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes 2019 weiter aus dem operativen Geschäft zurückziehen zu wollen. Wie wird das im Einzelnen aussehen?

Hans-Ludwig Meyer: Ich werde auf dem Verbandstag des Norddeutschen Fußball-Verbandes im September nicht mehr als Vizepräsident Finanzen kandidieren und auf dem nächsten DFB-Bundestag im Frühjahr 2022 nach zwölf Jahren auch aus dem Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des DFB-Prüfungsausschusses ausscheiden.

Man darf wohl annehmen, dass Ihnen diese Ämter zuletzt eine Menge abverlangt haben?

Ja. Ich war zuletzt beim DFB durch eine Reihe von Sonderaufträgen als stellvertretender Vorsitzender des Prüfungsausschusses stark eingebunden im Controlling der Finanzen des größten Sportverbandes der Welt. Das war schon eine besondere Herausforderungen zum Ende meiner ehrenamtlichen Arbeit.

Und die Arbeit als NFV-Vizepräsident?

Sie wurde natürlich durch die Corona-Pandemie und ihre Folgen geprägt. Angesichts der Geisterspiele konnte auch der Regionalverband nicht mehr an Zuschauer-Einnahmen der Profiligen beteiligt werden. Es gab diese ja nicht. Insofern haben wir quasi keine Einnahmen generieren können.

Wie vermochten Sie und der NFV die Situation zu meistern?

Angesichts eines Grundlagenvertrages und entsprechenden Vereinbarungen wurden wir an den Solidaritätsleistungen der DFL und des DFB beteiligt. Das hat uns gerettet. Nun besteht ein weiterer Rettungsanker in der Wiederzulassung von Zuschauern in allen Ligen. Die Kosten für die Verwaltung des Regionalverbandes laufen ja auch seit dem März 2020 und dem Beginn der Pandemie weiter – auch wenn wir zahlreiche Sparmaßnahmen umgesetzt haben.

Wie sahen diese aus?

Unsere Haushaltsführung ist noch deutlich sparsamer geworden, etwa durch überwiegend virtuelle Sitzungen und den Verzicht auf pauschale Aufwandsentschädigungen der Ausschussvorsitzenden und des Geschäftsführenden Präsidiums. Zudem mussten zahlreiche Maßnahmen des NFV gestrichen werden, das Personal der Geschäftsstelle leistete sofern möglich über mehrere Monate Kurzarbeit, und wir haben über die Dezember-Hilfe staatliche Unterstützung erhalten. Die laufenden Kosten des NFV betragen allerdings noch immer monatlich rund 17.000 Euro.

Wie steht es um die finanzielle Ausstattung des Verbandes?

Wir haben Stand 12.7.2021 ein Guthaben auf unseren Konten von 362.000 Euro, aber nur eine Liquidität von 114.000 Euro aufzuweisen. Das liegt natürlich an den vielen durchlaufenden Posten in unserem Verband. So sind im aktuellen Guthaben bereits die Zahlungen der Vereine für Spielabgaben, den Schiedsrichterpool und die Zulassungsgebühren enthalten. Dieses Geld steht uns natürlich nicht als liquides Mittel zur Verfügung. Es gehört den Vereinen. So war nach der Eliminierung der Saison 2020/2021 auch die stattliche Summe von 337.714,17 Euro an die Vereine zurückgeflossen. Ich gehe aber davon aus, dass sich ab August, September die finanzielle Lage des NFV entspannt. Es soll eine weitere Solidaritätsleistung für die Rückrunde 2020/2021 seitens der DFL/DFB geben, und dann dürfte auch die oben schon erwähnte Aussicht auf Zuschauereinnahmen zur Normalisierung der Situation beitragen.

Das klingt kompliziert. Wie stellen Sie in diesen Zeiten eigentlich einen Haushalt auf? 

In zwei Teilen. Ich werde den Haushalt 2021 bis 31.8.2021 ohne die Kosten des am 25. September 2021 geplanten virtuellen Verbandstages überarbeiten. Diese überarbeitete Variante und den testierten Jahresabschluss 2020 nach Vorstellung in der Revisionsstelle lege ich dem Präsidium vor. Daneben werde ich einen zweiten Haushaltsentwurf bis 31.12.2021 aufstellen und diesen auf dem Verbandstag verabschieden lassen. Die Ausgaben für laufende Kosten der Verwaltung setze ich leicht erhöht mit 20.000 Euro je Monat an, auch da zukünftig wieder mehr Präsenzveranstaltungen zu erwarten sind. Des Weiteren sind aus dem Vertrag mit den Landesverbänden rund 15.000 Euro für den Bremer Fußball-Verband fällig. Diese Zahlen belegen deutlich, wie wichtig derzeit eine Beteiligung an den avisierten Solidaritätsleistungen von DFL und DFB für den NFV ist.

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos?

Zusammenfassend ist sie gerade deutlich entspannter, da viele anstehende Ausgaben wie zum Beispiel die Umsatzsteuer aus dem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb in Höhe von 31.246 Euro schon abgeführt worden sind und wir noch Zuweisungen aus der Abrechnung der 3. Liga erwarten. Nach wie vor muss jedoch jeder weitere Schritt einer Veränderung im NFV unter Kostengesichtspunkten gesehen werden.

Wir danken für das Gespräch.

 

 

(Das Interview führte Stefan Freye)

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